Shaddy – Kalkbreite Mix (Keep It Deep Guest Mix)

Shaddy

Der Freiburger und derzeit Wahl-Schweizer Sebastian Stang a.k.a. Shaddy steht seit nahezu zwei Jahrzehnten unermüdlich an den Plattentellern und hat mit seiner Plattenauswahl schon zahlreiche Feiergenerationen zum Schwitzen gebracht und zur Ekstase getrieben.

Inzwischen tritt er zwar etwas kürzer was das Auflegen in Clubs betrifft. Doch das bedeutet nicht, dass es ruhiger um ihn geworden ist. Im Gegenteil. Seit einiger Zeit ist er aktiver denn je. Zusammen mit dem ehemaligen Freiburger Mark Burow, der in Zürich lebt und arbeitet, hat er in diesem Frühjahr das Label Foul & Sunk aus der Taufe gehoben. Dessen erste 12″, “When I Think About” von Nicholas (mit Remix von Hauke Freer), erschien vor etwas mehr als vierzehn Tagen und wurde sehr gut aufgenommen.

Ein Podcast und ein Interview mit Shaddy war schon lange Zeit angedacht, kam aber auf Grund beiderseitiger terminlicher Engpässe nie zustande. Dafür jetzt erst recht, einschliesslich Interview mit Shaddy und Mark. Enjoy!

Hallo Shaddy, hallo Mark. In diesem Frühjahr habt ihr beide das Label „Foul & Sunk“ aus der Taufe gehoben. Erzählt zum aufwärmen einmal, wie ihr auf diesen Namen gekommen seid.

Mark: Wir sassen auf dem Balkon bei eigentlich zuviel Bier, und waren am philosophieren über Dance Music Biz, was wir sehr gut können. Dann kam einer von uns mit diesem Versprecher daher: Es geht doch immer um Foul & Sunk! Das wars!

Shaddy: Irgendwie hat`s uns das sofort angetan. Und jeder der ein wenig drüber nachdenkt weiss um was es geht.

Was hat euch zur Labelgründung inspiriert? War es ein spontaner Einfall oder habt ihr das Projekt von langer Hand geplant?

Shaddy: Die Idee hatte ich schon lange. Entweder hatte ich keine Zeit oder kein Geld. Eigentlich war es die Liebe zur Musik aber auch der Reiz mal wirklich was eigenes zu machen. Da ich nicht der Produzent bin, und eher der Organisator lag das Label nahe. Und dann auf besagtem Balkon kam die Initialzündung. Der Track von Nicholas und der Remix sind übrigens seit Sommer 2010 schon fertig gewesen.

Mark: Ein eigenes Label mit guter Musik war schon länger eine Idee gewesen. Aber wie es so ist dauert es halt doch immer länger bis man es dann auch durchzieht. Uns geht es um gute Musik, auf dem Dancefloor und daheim im Wohnzimmer. Und zu zweit gehts dann einfacher weil jeder dem anderen in den Hintern tritt wenn was getan werden muss.

Wie verlief die Gründungsphase? Welche Herausforderungen musstet ihr dabei bewältigen?

Mark: Wir haben es recht simpel angegangen, und einfach den Namen und unser Mission Statement “quality music for your dancefloor” auf soundcloud.com gepostet, zusammen mit dem ersten track von Nicholas. letztendlich haben wir bisher auch nicht viele Hürden umgehen müssen, wir haben einfach das gemacht was uns logisch erschien, und das dann promoted.

Shaddy: Letztendlich sind wir beide ja auch nicht neu im Geschäft. Mark hat sich mit Mastering beschäftigt und war auch mal bei Dublates & Mastering in Berlin. Da haben wir die 001 schneiden lassen. Und dann sucht man sich ein Presswerk und eine Vertrieb. Ich denke der Vertrieb war die einzige Hürde die wir dank Johannes von Frank Music der uns den Tipp gab gemeistert haben. Wenn man gute Qualität liefert dann klappt das auch mit der Distribution. Heutzutage muss man sich schon bewusst sein das Vinyl ein spezielles Thema ist und eine spezielle Zielgruppe hat. Da schauen Vertriebe auch ob das ein Thema ist – die kennen sich damit ja auch bestens aus.

Musstet ihr unerwartete Rückschläge auf euch nehmen?

Mark: Wenn man davon absieht, dass so mancher Vertrieb auf unsere Mails nicht mal ein “nein” geantwortet hat, nichts.

Shaddy: Bei der Anzahl von Labels heutzutage ist es schon schwer jemand davon zu überzeugen seine Platten zu vertreiben bzw. zu kaufen. Ein Rückschlag ist es nicht wenn man abgelehnt wird, und letztendlich gab es auch den Plan das ganze Ding selbst zu machen.

Mark: Wenn man jedoch die Kosten ansieht, die man als neues Label in Promotion, Produktion und sonstiges steckt, ist die Tatsache, dass man höchstens auf Null rauskommt, schon eine Art “Rückschlag”.

Wie würdet ihr die Zielgruppe eures Labels beschreiben – und welchen Einsatz leistet ihr, um diese zu erreichen?

Shaddy: Ich sehe uns als Vinyl-Label und daher sind es auch diese Jungs und Mädels die noch Platten kaufen. Wir machen zwar auch digital aber da ist mein persönlicher Fokus gar nicht darauf gerichtet. Ich brauch was in der Hand und daher ist Vinyl Medium Nummer Eins für mich. Und musikalisch sind die ersten 3 Releases House Music. Denke Zielgruppe ist somit klar. Wir haben da jetzt nichts neu erfunden.

Wie man Promotion macht das kenn ich noch aus den Tagen der Booking Agency die ich mal gemacht habe und so hat man natürlich seine Kontakte und weiss, wenn der das spielt dann hören es die richtigen Jungs. In die Groove und De:Bug haben wir es leider nicht geschafft, aber trotzdem ist die 001 ausverkauft.

Mark: Im wesentlichen sind es DJs und Musiclover aus dem House/Dance musicfeld, aber auch einfach Leute, die Vinyl sammeln und auf gut gemachte Releases stehen, ohne die selbst aufzulegen; aber wir versuchen natürlich, wie alle Vinyl Labels heutzutage, die DJs dazu zu bringen unsere Musik zu spielen, um aus der schier unendlichen Masse an digitalen Releases hervor zustechen!

Dass die Musik- und Plattenindustrie in einer Krise stecken, ist längst bekannt. Wo seht ihr gerade für euch und das junge Label „Foul & Sunk“ die grössten Herausforderungen und Chancen für die Zukunft?

Shaddy: Für mich ist die grösste Herausforderung zu hoffen das die Platten die wir machen sich auch verkaufen und den Leuten gefallen. Chancen gibt es viele, aber ich bin aktuell dran interessiert gute Releases zu machen. Der Rest passiert von alleine….Chancen ergeben sich! Abwarten was da kommt.

Mark: Wir werden natürlich immer eine Niesche bedienen, das ist uns klar bewusst. Aber wenn wir es schaffen, die Leute die unsere musik hören, zum tanzen zu bringen, dann haben wir in diesem Markt schon viel erreicht – für alles andere braucht es Glück und ein gutes Händchen bei der Auswahl der Releases.

Shaddy: Wie Mark gerade sagt, wenn die Leute zu unserer Musik noch tanzen ist das super, wobei das nicht heisst das wir nur Dancetracks veröffentlichen. Es geht ja gerade um den persönlichen Dancefloor – und den kann jeder so definieren wie er möchte.

Die erste 12“ erschien Anfang August mit Tracks von Nicholas und Hauke Freer, zwei derzeit sehr angesagten Produzenten. Wie seid ihr gerade auf diese gekommen? Wer macht bei euch die A&R-Arbeit?

Mark

Mark: Im wesentlichen ist es Shaddy, der wirklich täglich die neuen Tunes und Releases checkt, und den neuen Stuff findet. Dann stimmen wir uns über die Tracks und die Remixes gemeinsam ab, und kommen meist recht schnell auf einen gemeinsamen Nenner.

Shaddy: Wie gesagt hab ich den Track ja bereits im Sommer 2010 gesignt und dann den Hauke gefragt. Hauke ist ja aktuell mit Session Victim stark unterwegs, aber ich wollte extra was von ihm solo, da ich eine alte Platte von Ihm habe die mir gut gefällt. Als ich den Nicholas gesignt habe, hatte der 2 Releases draussen. Das er sich so entwickelt war nicht abzusehen und natürlich auch ganz gut für uns. Aber das der Mann was kann, war mir damals schon klar.

Nach welchen Kriterien sucht ihr die Künstler / Produzenten für euer Label raus?

Shaddy: Nicholas hat mir mit seinen Sachen damals super gefallen und da kannte den ja noch keiner. Und der Track hat gekickt. Ansonsten schaue ich mich in meinem Umfeld um wer da so ist. Die 003 kommt von Jagged aus Bern. Super Buddies die man schon lange kennt, und ich bin total glücklich das wir das zusammen machen. Gerade auch weil Sie auch totale Vinyl Nerds sind. Daneben hofft man natürlich das auch Künstler auf einen zukommen die das was man macht gut finden. Aber so einen richtigen Plan haben wir nicht. Wenn es gefällt und zum Label passt kann das jeder sein. Das Label muss aber sein Profil bewahren. Wenn jetzt was ganz aus der Reihe tanzt dann bin ja eher noch für ein Sublabel. So richtig klassisch. Irgendwie ticken wir eh Oldskool. Die ersten Platten haben wir als White-Labels versendet mit Promo Zettel drin. Hat den Leuten gefallen. Eben nicht diese klassische Mail mit dem Downloadlink. Da zahl ich leiber mehr für Porto etc. aber der Empfänger dankt es einem auch mehr wie ich gemerkt habe. Die Wertigkeit ist eine andere und das ist mir wichtig.

Mark: Wir suchen zum einen neue, unbekannte Künstler, aber auch Typen, die momentan einfach unsere Auffassung von musik erfüllen, und uns mit neuen, guten Ideen überraschen.

Shaddy: Ich bin ja auch ein Freund von Remixen und finde es immer spannend noch eine weitere Interpretation vom Track zu haben. Daher probieren wir immer noch einen Remixer zu finden der das ganze Paket noch spannender macht. Gerade bei der Nicholas finde ich es Klasse das der Hauke Freer Remix in eine ganz andere Richtung geht. Ich war total überrascht als ich diesen zum ersten mal gehört habe und hab sogar länger gebraucht um zu sagen “Yeah”. Der Mark war hier mega begeistert und hat mich so mitgriessen. Das Feedback von aussen gab uns dann Recht.

Wie gestaltet sich die weitere Aufgabenverteilung bei Foul & Sunk?

Mark: Wir beschliessen die Dinge gemeinsam, ohne wirkliche Rollenverteilung. Klar ist der A&R Job eher bei Shaddy, und ich bin eher für den visuellen und den klanglich/technischen Part verantwortlich – aber am Ende wird es kein Release geben, dass uns nicht beiden gefällt, und auch kein Artwork, das keinen Konsens findet.

Shaddy: Mein Teil ist dann noch die Promotion. Mark macht den regionalen Teil in Zürich und ich in Freiburg. Ich finde es auch wichtig seine Homebase zu supporten. Schlieslich gehört es dazu und bereichert die “Szene”. Distribution & Licencing liegt dann auch noch bei mir.

Shaddy: Du bist DJ seit etwa zwanzig Jahren. Wie erklärst Du Dir, dass Deine Faszination für das Vinyl, das Auflegen und die Nacht in dieser Zeit nicht nachgelassen hat?

Shaddy: Es ist einfach aufregend und es gibt mir Energie und es macht halt auch sauviel Spass. Ich lege echt selten auf weil es gerade hier in Freiburg auch wenig Raum für gute Musik und gute Parties gibt. Aber trotzdem fühlt sich eine laute Kickdrum toll an, und wenn die Leute dann mitgehen ist es ja das Beste was die als DJ so passieren kann. Und wenn ich selbst den guten DJ höre dann macht das mir auch selbst noch Gänsehaut. Und wenn du speziell die Nacht meinst: hier passiert eben am meisten – ich mag die Nacht. Zu beschreiben wo die genau Faszination liegt ist schwer. Aber auch darum: Wer mit wem ne Platte macht, und wer nen Remix und ob die Party voll war und was der wieder für nen Tune aufgelegt hat und da gibts doch so ein Bootleg….That`s why!

Du bist in den verschiedensten Stilrichtungen zwischen Disco, House und Techno zuhause und kannst auf Grund Deiner Sammelleidenschaft auf ein grosses Repertoire an Vinyl zurückgreifen. Wo allerdings würdest Du Deinen musikalischen Schwerpunkt setzen?

Shaddy: Ich würde das nicht als Sammelleidenschaft bezeichnen, ich brauch die Platte einfach. Ich mag gute Musik. Stylistisch muss es Soul haben. Das war es dann auch. Manchmal ist mir Musik zu kalt oder zu weiss. Gerade mit so Indie Sachen kannst du mich jagen. Ein guter Freund von mir meinte: Eigentlich bis du doch im Herzen ein Schwarzer Soulboy. Das trifft es ganz gut. Disco und Boogie ist schon meine Leidenschaft beim Platten kaufen und das ist auch der Grossteil meiner Sammlung, was ich jedoch dann seltener auflege. Ich brauch immer irgendwie diesen Kopfnicker Faktor in einem Song. Da gab es diese eine Songzeile “Beweg deinen Popo im Rythmus des Strobo” – so mein Motto beim auflegen.

Du hast zahlreiche Strömungen und Trends in der elektronischen (Club-)Musik kommen und gehen sehen, gerade auch in der House Musik. Lass uns an dieser Stelle ein wenig im Kaffeesatz lesen. Wie wird sich „House“ entwickeln und was ist das nächste „grosse Ding“?

Shaddy: Schwere Frage. Ich denke Dubstep bzw. die Fusion mit House wird sicher noch dick werden. Gerade Martyn, Julio Bashmore, Braillie, etc., da wird noch was kommen. Ich steh gerade selbst auf das ganze Zeugs und es erinnert mich stark an die Broken Beats Phase vor ein paar Jahren. Das Thema Band wird sicher auch stärker werden. Also weg vom einzelnen Produzenten hin zu einer tatsächlichen Band. Back to the roots sozusagen.

Auf kommerzieller Ebene bin ich selbst gespannt wer nach Guetta kommen wird.

Ein eigenes Label ist auch eine geeignete Plattform für eigene Veröffentlichungen und mit Deinem Gründungspartner Mark Burow steht Dir zudem ein leidenschaftlicher Musiker und Gerätesammler zur Seite. Wann erscheint Deine erste eigene 12“?

Shaddy: No comment!!! Ehrlich – das wird noch ganz lange dauern. Zum einem weil mir die Zeit fürs Studio fehlt, zum anderen auch die Erfahrung, und letztendlich bin ich zu Perfektionist. Auch wenn es eigentlich schon fertig ist kann ich noch weiter dran rumschrauben. Ich habe mir daher hier keinen Fokus gelegt, aber ich hoffe das der Mark mal mit eigenen Tracks an den Start geht.

Lasst uns zum Abschluss noch ein wenig in die Zukunft blicken: wo seht ihr „Foul & Sunk“ in fünf Jahren und was sind eure Pläne / Träume bis dahin?

Shaddy: Ziel ist es das es das Label dann noch gibt und wir eventuell 2-3 schöne Alben rausgebracht haben. Und es sollte sich finanziell tragen. Gespannt bin ich eigentlich auf die Vertriebsformen und ob es Vinyl noch in 5 Jahren geben wird. Aktuell hat der digitale Vertrieb der 001 seit wenigen Tagen erst gestartet. Wir haben damit noch keine Erfahrung und hier bin ich echt auf die Verkaufszahlen gespannt. Ein Traum wäre natürlich als Indipendent Label den Künstler gesignt zu haben der dann den Durchbruch feiert. Letzendlich kann alles passieren solange es Spass macht. Der Mark hat da andere Träume!

Mark: Wir werden von Festival zu Festival reisen, mit haufenweise Groupies und Drinks am Start feiern bis es keinen morgen mehr gibt, und wo auch immer wir auftreten ist alles Sold Out!!

Shaddy: Groupies bitte streichen – wenn das unsere Frauen lesen 😉

Gibt es Künstler / Musiker, deren Musik ihr gerne veröffentlichen wollt?

Shaddy: Aktuell hoffe ich das Julio Bashmore einen Remix machen wird. Anton Zap überlegt auch gerade wegen Tracks. Aber mehr wird nicht verraten.

Abschliessende Shoutouts?

Mark: Shouts Johannes von Frank Musik (super Label übrigens), alle diejenigen die unsere Platte gekauft haben, und an Randmusik, Dubplates & Mastering und Intergroove.

Shaddy: Weniger Shouts – aber Werbung muss auch sein. Die Foul & Sunk 002 erscheint Ende September.

Hier nun der Mix:

Shaddy -Kalkbreite Mix (Keep It Deep Guest Mix) by keep-it-deep

English (short) version:

DJ Shaddy is a keeper of the holy grail of house music, constantly searching for the perfect groove thing without forgetting the soul and the roots. He’s been spinning records for nearly two decades, hosting his own club nights – some of them together with Agent Schwiech – and recently launched his own record label Foul & Sunk – together with Mark Burow – that is dedicated to “quality music for your dancefloor”. The first 12″ – “When I Think About” by Nicholas (with Hauke Freer on remixing duties) just hit the stores.

Mehr im Web:

DJ Shaddy @ Facebook
DJ Shaddy @ Soundcloud
Foul & Sunk
Foul & Sunk @ Facebook
Foul & Sunk @ Soundcloud
Beats’n’Bytes – Mark Burow
Mark Burow @ Soundcloud

Nach oben scrollen