Mixed up wednesday: Disco, House, Techno

Vergangenen Samstag war Robag Wruhme zum zweiten Mal Gast in Freiburgs Club Schmitz Katze. Wruhme ist als Produzent und Disc Jockey eine Bank, war er schon zu den Wighnomy Brother-Zeiten. Seine Sets vereinen Spex-Abonnenten, die House und Techno gerne das Bourdieu’sche Theoriegebäude überstülpen, mit den ganzen Tobis vom Tuniberg, Jungs mit absonderlichen Gel- und Ausrasierfrisuren, den Fuss stets bereit zum Shuffle-Ausfallschritt.

Wruhme brachte am Samstag Barnts “Geffen” mit Roland Clarks “Speak To Me / I Get Deep” zusammen. Auf Stücke mit metallisch harten Snares und Rumpelbässen folgten Songs aus dem Kölner Pop-Techno-Universum. Der eine oder andere Track erinnerte mich sehr an Wolfang Voigts Produktionen, die er Anfang und Mitte der Neunziger Jahre als Mike Ink, Grungerman und Gott weiss unter welchem Alias veröffentlicht hatte.

Die eigentliche Nachricht war jedoch das Funktion One-Soundsystem, das an diesem Abend auf dem Main Floor stand. Zwei Dance Stacks, sahen für mich in der Dunkelheit sehr nach der DS1-Konfiguration, bestehend aus 3 x F218, 1 x DS15 und 1 x DS210, aus. Da waren endlich einmal ein Bassdruck sowie saubere Höhen und Mitten gewährleistet. Der Klang war ein Traum und viele der Gäste haben womöglich das erste Mal in ihrem Leben vorgeführt bekommen, warum Tanzmusik auch Body Music ist.

Allerdings: Freiburg war und ist in Sachen Club-PA immer noch Entwicklungsland. Wenn jetzt ein guter Klang als neu und einzigartig gefeiert wird, ist das anderenorts längst Standard, Funktion One hin oder her. Bleibt zu hoffen, dass die Freiburger Clubbetreiber zu diesem Standard aufschliessen werden.

I Oracy – Trace A Line Podcast. Wellengleich an- und abschwellende Klangwogen, metallisch harte Rim Shots und ein warmer, ruhig fliessender Bass: das ist “Mind Dance” von Oracy, erschienen 2007 auf Mojuba Records. Konnte ich damals rund um die Uhr hören, kann ich heute noch in Endlosschleife hören. Seither hat der Berliner Produzent – das französische Onlinemagazin Trace A Line enthüllt seine Identität – drei weitere EPs und eine Handvoll Remixe unter diesem Alias veröffentlicht. Meditativ, ruhig, zugleich kraftvoll im Rhythmus, “atmospheric chord-driven” würde Hardwax wohl schreiben. Unbedingt auf die Wantlist setzen, die Platten, und während des Bestellvorgangs den Podcast auf Trace A Line anhören.

Oracy – Trace A Line Podcast

II Alex Slaughter – NWS Cast. Alex Slaughter ist Kanadier, geboren in der kanadischen Hauptstadt Ottawa, aufgewachsen ebendort, in Calgary und Vancouver und lebt derzeit sowohl dort als auch in Berlin. Er ist Vinylliebhaber, liebt seinen House und Techno soulig, schmutzig, ekstatisch und dann auch wieder sehnsüchtig, melancholisch. Für die Kopenhagener NWS Cast-Jungs hat er kürzlich einen Mix aufgenommen, in den ich mich nicht nur wegen des unheimlich guten Sade-Remixes als Opener verliebt habe.

III Andras Fox – Live at Boiler Room.  Der Melbourner Produzent und Disc Jockey Andras Fox war Teilnehmer der Red Bull Music Academy 2010 in London. Er veröffentlicht seine Musik vorwiegend auf dem englischen Label Audio Parallax Records und hat sich bei mir vor allem durch den Track “Sanctification” (2011) einen Stein im Brett erworben. Im Frühling 2013 spielte er an der Seite von Tornado Wallace, Roland Tings, den Cut Copy-DJs im Boiler Room Australia. Sein Set habe ich allerdings erst kürzlich gehört. Kann man immer und immer wieder tun.


IV Timo Wiegand – Live At Robert Johnson. Die Disc Jockeys Timo Wiegand und Jacob Lauer, der Brontosaurus Junior Club, empfangen am Samstag Jamie XX im Offenbacher Club Robert Johnson. Ich kann da leider nicht hinfahren, bin wegen eines runden Geburtstages in die Pflicht genommen. Doch ich wünschte, ich könnte dabei sein, nicht des Headliners sondern des Brontosaurus Junior Clubs wegen. Warum dies? Hört den Ausschnitt aus Timo Wiegands Set, das es seit einer Woche auf der Soundlcoud-Seite des clubeigenen Labels Live At Robert Johnson zum anhören gibt. Hopelessly in love.


V The White Light Mixes – In Field. Neoteric & Matty C betreiben die Mix-Serie “The White Light Mixes”. Seit November 2010 bringen sie in den Podcasts Disco, House, Techno, deren Sub- und Subsub-Genre zusammen. Balearisch Verträumtes steht neben Düsseldorfer Kraftwerk-Coolness, opulenter Italo Disco neben heruntergestripptem House. In der 88. Ausgabe kommen unter anderem Smith & Mudd, Recondite, Marcel Dettmann und John Talabot zusammen.

The White Light Mixes – In Field

Nach oben scrollen