Marcello Napoletano – In Dreaming

Der Absatz des italienischen Stiefels, Il Salento, ist bekannt für trocken-heisse Sommer und milde Winter. Beste klimatische Bedingungen also für mediterrane Spitzenprodukte. So lassen denn Begriffe wie “Formaggio Canestrato”, “Orecchiette Pugliese” oder “Capocollo Pugliese” das Wasser in meinem Mund zusammenlaufen, genauso wie die Namen einer Vielzahl unterschätzter Weine und Olivenöle.

In der Musik geht es mir derzeit nicht anders. Fast reflexartig löst der Name Marcello Napoletano bei mir eine aufrichtige Freude aus. Dieser noch verhältnismässig junge Produzent, der ebenfalls aus dem Süden Italiens stammt, kreiert musikalische Spitzenprodukte, die einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Mit “A Prescription Of Love“, erschienen in diesem Frühjahr auf Jamal Moss’ Label Mathematics Recordings (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/05/marcello-napoletano-prescription-of.html) legte er ein bemerkenswertes und überaus gefeiertes Debütwerk vor. Zurecht, denn dieser Viertracker hatte und hat nicht nur oberflächlich betrachtet einiges zu bieten. Stichwort Langlebigkeit.

Vor kurzem hat Marcello Napoletano auf dem niederländischen Label Reincarnation Records eine weitere 12″ an den Start gebracht, “In Dreaming“, und reiht sich dabei ein in den Kreis namhafter Produzenten wie Tokyo Black Star, Atjazz und die Attias-Brüder, die sich in den vergangenen Jahren ebenfalls in den Veröffentlichungskatalog von Reincarnation Records eingetragen haben.

Auf “Hey Listen” begegnet man gewaltig anschwellenden Synth-Chords, Hand Clap-Elementen, dem Vocal-Sample “Hey, Listen! Oh, Listen!” sowie einem tiefen, tonnenschweren Bass. “House Class” prescht im Unterschied dazu mit einem rhythmischen Bassostinato und einem nahezu durchlaufenden Keyboard-Riff nach vorne, zudem sich eine anfänglich erst verhalten im Hintergrund bleibende, nach dem Break jedoch stärker akzentuierte Perkussion gesellt. Das Spiel mit schweren Synth-Chords, harmonischen Bassläufen und wuchtigen Kickdrums führt Marcello Napoletano auch auf “In Dreaming” fort, wohingegen “Vibe” mit virtuos-furioser Perkussion aufwartet. Man ist geneigt, das Wort “tribal” mit diesem letzten Track der EP in Verbindung zu bringen, wenn er nicht durch eine nahezu inflationäre Anwendung auf alles, was nur ansatzweise Perkussionselemente beinhaltet, entleert und entfunktionalisiert worden wäre.

Zu “In Dreaming” passt auch die, ebenfalls dieser Tage veröffentlichte “Back In The Days EP” auf Uzuri Recordings, an der Marcello Napoletano gemeinsam mit Francesco Schito a.k.a. Fran Mela gearbeitet hat. Unter dem Pseudonym I.F.M., vielmehr ein Akronym aus Ilario, Francesco und Marcello, erweisen sie ihrem Freund und DJ Ilario Corsano die letzte Ehre. Worth to check, am besten unter: http://uzurirecordings.com/470/uzuri-009-ifm-back-in-the-days-ep/

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