Lawrence – Sorry Sun

Nach einem kurzen, verfrühten Frühlingsaufbäumen im Januar hat sich zu Beginn dieser Woche wieder einmal eine polare Kaltuftmasse über’s Land geschoben und das Wetterregime in die Hand genommen. Soll mir recht sein. Ich warte regelrecht und jedes Jahr auf’s Neue auf eine ordentliche Packung Märzschnee. Und zwar genau dann, wenn auf Facebook, Flickr oder über instagr.am ken Mensch mehr ein Schneebild hochladen, veröffentlichen und weiterverlinken möchte.

Schadenfreude? Ein bisschen vielleicht, auch wenn ihc das Lechzen nach steigenden Temperaturen und wärmenden Sonnenstrahlen gut nachvollziehen kann. Doch wer einmal zum Ausgang des Winters in den (Vor-)Alpen auf tiefverschneiten Waldwegen unterwegs war, wer mit befellten Skiern schweisstreibende Aufstiege auf sich genommen hat, nur einer einzigen Talabfahrt wegen, wer einfach nur ein paar Stunden ohne Zeitdruck in der Märzensonne sitzend das berauschende Ambiente der Alpen genossen hat, wird mir zustimmen können, dass nur wenige Erlebnisse an so etwas herankommen. Doch dafür muss es zuvor erst einmal schneien. Versteht sich irgendwie von selbst.

Eine kühle, klare Luft, gleichzeitig eine erste Frühlingswärme, transportiert auch der Hamburger DJ und Produzent Lawrence mit seiner ersten Solo-EP für das Label Smallville. Über die letzten Jahre hinweg hat er sich einen Namen gemacht mit einem House-Sound, der sich im Himmelsblau verliert. Aufgrund der Tiefe und Klangästhetik bin ich sogar geneigt, von einem astralen Himmel zu schreiben. Lawrence erzeugt eine magische Atmosphäre, wie man sie von einem sonnigen Wintertag her kennt, wenn das einfallende Sonnenlicht von den vielen tausend Schneekristallen gebrochen, gestreut und reflektiert wird.

Solch ein Schimmer umgibt auch die drei Tracks auf “Sorry Sun“. “Just Like Heaven” trägt das himmlische Moment nicht nur im Titel. Der im nichts verhallende Pianolauf, dubbige Soundskizzen, das sanfte Rauschen, Brausen (des Windes), ein in seiner Zartheit kaum zu übertreffendes Zusammenspiel von Kickdrum, Bassline und Hi-Hats – das sich im übrigen auch auf “Old Joy” wiederfindet – erweisen sich voll melancholischer und virtuoser Schönheit. Sorry Sun, sowohl der Track als auch die 12″, ist wie ein erhabener Blick, der jeden überwältigt, wenn sich ihm von einem Berggipfel vergletscherte Viertausender und die Weite des Himmels auftun. Gross!

English (short) version: three mighty deep continuously flowing house tunes by Hamburg based DJ and producer Lawrence on Smallville records.

Mehr im Web:

Lawrence @ MySpace
Lawrence – On The Floor – Live At Doornrosje @ RBMA
Smallville Records
Smallville Records @ Facebook

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