Detroit Swindle – Guess What

Altjahresnachtrag, der zweite. Es gab eine Zeit, da hätte ich ganz schön pissig reagiert, wenn sich ein Künstler folgendermassen vorgestellt hätte: “Hallo, ich bin Chicago Hustle”, meinetwegen auch “Detroit Brotha” oder “The Prescriptionist”. Ich hätte von Namensanmassung gesprochen, den Begriff der Zuordnungsverwirrung eingeführt. Und so weiter.

Heute sehe ich das weitestgehend entspannt. Das Erbe der US-amerikanischen Legendenstädte wird nicht dadurch ausgehält, dass sich Künstler ihrer Elemente bedienen oder diese mit deutlichem Augenzwinkern zitieren. So machen es auch Lars Dales und Maarten Smeets, zwei Produzenten aus Amsterdam. 2012 erschienen sie quasi aus dem Nichts. Unter dem Pseudonym Detroit Swindle machten sie mit Veröffentlichungen auf Freerange, Murmur, Saints & Sonnets und Dirt Crew auf sich aufmerksam. Fünf EPs, drei Remixe – das soll ihnen erst jemand nachmachen.  Deutlich zu hören auf ihren Platten: eine ins Heilige überhöhte Liebe für tiefe, treibende Bassgrooves mit technisch ausgefeilten Drum Pattern und Synthesizern – Chords und Flächen -, mit denen sie ihren Tracks Dynamik verleihen.

Stolpernde Beats und hoch schreiende Vocals eröffnen das Titelstück “Guess What“. Sie knüpfen damit an die Neunziger Jahre, an UK Garage und Jersey House an. Klar. “Guess What” ist ‘ne 2012er-Produktion. Spätestens beim Einsatz des druckvollen Drumming hat man diesen Gedanken jedoch beiseite gelegt. Klassisch beeinflusste Kickdrum-Tiefbass-Loops begegnen einem auch auf “John Doe“. Dieser Tracks sorgt mit seinem hämmernden, gnadenlos treibenden Groove dafür, dass auf der Tanzfläche nie Ruhe einkehren wird. Falls doch, war es der falsche Club und die falsche Crowd.

Bleiben noch “Nova” – trotz repetitiver Chords mit Zugkraft ein sehr entspannter Charakter – und ein Remix von Jonathan Moore alias Leftside Wobble. Seine kreativen Hände haben so gut wie alles durch den Remix-Apparat gepresst. Disco, Soul, Funk, aber auch so manchen House-Klassiker. “Rose Rouge” von St. Germain zum Beispiel. Dazu kommen noch seine genialen Mixe, die Acid Soul-Reihe oder – jüngst veröffentlicht – eine Daniel Wang-Retrospektive.  Er konzentriert sich auf den Groove – Binsenweisheit. Dieser schreitet weniger hektisch jackend voran. Gleichzeitig steigert Moore die Ausdruckskraft der Synthesizer und Vocals. Beauty!

ENGLISH SHORT VERSION

2012 was an excellent year for house music, sounding classic, just like in the the good old days, sometimes even better, and Amsterdam based producer duo Lars Dales and Maarten Smeets have played their part in bringing us these sounds.

Mehr im Web

Webseite: Detroit Swindle
Facebook: Detroit Swindle
Soundcloud: Detroit Swindle

Facebook: Leftside Wobble
Soundcloud: Leftside Wobble

Webseite: Dirt Crew Recordings
Soundcloud: Dirt Crew Recordings
Facebook: Dirt Crew Recordings

Nach oben scrollen