Crate Digging mit… Rainer Trüby

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Rainer Trüby hat den Soul verinnerlicht. Der Freiburger Discjockey, Mann hintern den legendären Root Down-Partys, spielt am Samstag, 18. Februar, auf der After Art Party in Karlsruhe. Warum man dem Crate Digger Trüby zum Beispiel in Sachen Level 42 nichts vormachen kann, erzählt er im Kurz-Interview.

Welcher Klassiker verlässt nie deine Plattentasche?

Rainer: Da gibt es natürlich einige Kandidaten, zur Zeit ist es diese hier von 52nd Street, die einen festen Platz eingenommen hat.

Welche Platte hast du dir als letztes gekauft?

Rainer: Das war ein sogenannter „Cheapo“, vom Trompeter Tom Brown das Album „Rockin´Radio“ von 1983, primär wegen dieser Nummer:

Wann hat deine Sammelleidenschaft begonnen?

Rainer: Streng genommen so etwa 1985 fing das bei mir an, mit viel Soul und Pop aus Großbritannien. Meine Level 42-Sammlung umfasst etwa 400 Stück inklusive Weißmustern und Pressungen aus verschiedenen Ländern aller Releases. The Style Council habe ich auch vollständig. Mit der Musik, für die ich heute noch stehe, ging es dann 1990 los mit alten Funk-, Soul- und Jazz-Geschichten, wie zum Beispiel Blackbyrds, Lonnie Liston Smith oder auch Roy Ayers. Meine erste Funk-Platte war von Jimmy Castor Bunch „It´s Just Begun“. Hauptkriterium damals waren mächtige Afros auf den Plattencovern. Wenn dann auch noch gute Musik drauf war war meine Freude umso grösser.

Was treibt dich dazu heute noch an?

Rainer: Ich denke nach wie vor die Liebe zur Musik. Der Input durch Podcasts und Radioshows von anderen Discjockeys und Tastemakern ist ja derzeit über das Internetz enorm groß. Zur Zeit entdecke ich viele schöne Tracks auf Soul- und Funk-Platten aus den 80er Jahren, die mich damals nicht so sehr interessierten. Da war ich eher auf den 70er-Jahre-Sound fixiert. Das Schöne daran ist, dass vieles noch sehr günstig zu haben ist.

Was war dein lustigster Moment beim Plattenkauf?

Rainer: Das war ca. 1995 in der Nähe von Dresden. Mein Booker Daniel W. Best hatte davon Wind bekommen, dass ein älterer Herr seine umfangreiche ostdeutsche und osteuropäische Jazzsammlung komplett verkaufen will. Voller Erwartungen sind wir hingefahren. Nach vier Stunden „diggen“ im staubigen Dachboden hatten wir jeder etwa 40 Perlen rausgezogen und wollten bezahlen. Als er unsere Stapel dann inspizierte überkam ihn ein Gefühl von Wehmut. Er wusste zu jedem Musiker eine Anekdote zu erzählen a la „(Eugen) Ciiiceröööö! Näääähh, kannste nüscht haben. War dreiundsiebzisch aufm Konzärt!“. Wir mussten das akzeptieren und zogen mit leeren Händen weiter.


ZUR PERSON: Rainer Trüby

„To know you, is to love you“ singt Syreeta in Stevie Wonders gleichnamigen Song. 2008 haben Rainer Trüby und Danilo Plessow alias MCDE um diesen Vers herum ein House-Stück produziert. Ein funkiger Bass und rohe Drums drängeln entspannt nach vorne, im Hintergrund flirren warme Synthesizer und sphärische Melodie-Akkord-Arrangements. Ein Hit. Heute noch. Im Original geht der Song weiter. „When I’m down and feelin‘ sad, you always comfort me“ singt Syreeta weiter. Diese Verse treffen auf Rainer Trüby als Discjockey zu. Wer ihn einmal bei „Root Down“, seit über 20 Jahren seine Homebase in Freiburg, erlebt hat, weiß: Bei ihm gehen die Tänzerinnen und Tänzer stets mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause. Standen zu Beginn Downbeat, NuJazz, Drum and Bass, Broken Beats, Soul und Disco brasilianischer Interpreten im Mittelpunkt, spannt Rainer Trüby heute von dort den Bogen zu House. Auch soulful Techno darf es zwischendurch einmal sein. Oder Salsa und cheesy Popsongs, Guilty Pleasure-Platten, so es die Nacht zulässt.

Facebook: Rainer Trüby
Soundcloud: Rainer Trüby


Was: After Art Party w/ Franck Roger, Rainer Trüby, Sharokh Dini, Ubbo Gronewold, DJ 2xC
Wann: Samstag, 18. Februar 2017, 23 Uhr
Wo: Monk Bar, Karlsruhe

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About Author

New Yorker Discokultur der Siebziger Jahre, House aus Chicago, Techno aus Detroit - drei von Bernhards liebsten Leidenschaften.

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