The Revenge – Forever In Their Debt

Nach einer Vielzahl Podcast-Vorschläge und den beiden Videos zum in Leipzig beheimateten Label Kann Records soll’s vorerst mit der Vorstellung ein paar neuer Sounds weitergehen. Beginnen möchte ich mich einer 12″, die vor kurzem auf einem gänzlich neuen Label erschienen ist, das sich in seiner Namensgebung des geschichtsträchtig monumentalen Leitsatzes “Home Taping Is Killing Music” bedient. Das Label beziehungsweise seine Gründerväter beziehen sich dabei, gewissermassen als sekundäre Bedeutungsebene, die von der British Phonographic Industry im Jahre 1980 ins Leben gerufene gleichnamige Kampagne gegen den damals sehr stark zunehmenden Trend, Mixtapes jeglicher Art herzustellen – zuhause am Radio mitgeschnittene (Live-)Konzertsendungen, in mühevoller Kleinarbeit, mit viel Liebe zum Detail zusammengestellte Best Off-Tapes, dabei die 60-Minuten-Laufzeit der Leerkassette so gut wie möglich ausnutzend, etc.

Nun, zu Grunde gegangen ist die Musikindustrie bis heute nicht, sie hat sich lediglich verändert. Aber davon einmal abgesehen: ohne die -teilweise auch unter dem Ladentisch gehandelten – Mixtapes in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren, von Musikliebhabern und DJs zusammengestellt und aufgezeichnet, hätten womöglich sehr viele von uns erst spät zu Hip Hop und (elektronischer) Clubmusik gefunden. Und nicht zuletzt waren Mixtapes begehrte Sammelobjekte, die man hütete und bewahrte, wie heute manch ein Heranwachsender wohl sein elektronischen Unterhaltungsmedien.

Genauso geht es mir heute auch mit Promo-Mixen und mitgeschnittenen DJ-Sets. Ich muss mich regelrecht dazu zwingen, hin und wieder meine Festplatte durchzugehen, manches schon sehr lange ungehörtes Material einfach auch mal auszusortieren. Zu den Mixen, die ich auf jeden Fall noch eine unbestimmte Zeitlang abgespeichert habe, gehören diejenigen aus der Hand des Schotten Graeme Clark a.k.a. The Revenge, die er auf seinem Weblog OOFT Music veröffentlicht. Dieser ist’s auch, der zu den (Mit-)Gründern des neuen Labels, “Home Taping Is Killing Music” gehört und somit für Nachwuchs in der OOFT-, Delusions Of Grandeur- und Five20East-Familie sorgt. Jedenfalls lässt dies der Rückschluss des Eintrags auf dem labeleigenen MySpace-Account zu, der Folgendes besagt: “Home Taping Is Killing Music is a fresh new imprint that celebrates the true underground roots of House Music. Artists include The Revenge (Instruments of Rapture), Red Rack’em (Untracked/Deep Freeze), Eddie C (Jisco) and SE62.

The Revenge und Red Rack’em sind es denn auch, die den Veröffentlichungsreigen beginnen. Und genauso wie der Labelname gibt auch der Titel ihrer EP Anlass zum Nachdenken. “Forever In Their Debt” – auf ewig dankbaer, in ewiger Anerkennung und Ehrerbietung. Doch wem und wofür? Dieses Label und die darauf in Zukunft erscheinenden Tracks sollen, wie mir Danny Berman a.k.a. Red Rack’em in der vergangenen Woche mitteilte, die tiefe Verehrung und Verneigung (Label-)Gründungsmitglieder vor den altehrwürdigen Legenden wie Ron Trent, Chez Damier, Larry Heard oder Frankie Knuckles und ihren ehrenvollen musikalischen Momenten ausdrücken. Möglicherweise ist es auch ein persönliches Eingeständnis, dass die eigene Genialität und Kreativität dennoch nicht ausreichen wird, um einen ähnlich legendenhaften Status entwickeln zu können, wie ihn die erste House-Göttergeneration erlangt hat.

Doch nun ein paar Worte zu den beiden Tracks selbst: The Revenge, den man auf Deep Freeze Recordings, Jiscomusic oder Instruments Of Rapture als Meister sagenhaft süsslicher und dennoch kraftvoller Slo-Mo House- und Disco-Tracks kennen gelernt hat, überzeugt hier mit knochentrockenen Drums, warmen Flächenklängen der Analogsynthesizer, einer rohen Acid Synthesizer-Schleife sowie kickend-peitschenden Claps. Dies und das schroff, kehlig und harsch klingende Vocal-Sample, weisen den Weg: “Go back to Chicago!” Fingers Inc., Marshall Jefferson, Lil’ Louis & Co. lassen grüssen.

Danny Berman lässt’s als Red Rack’em etwas sanfter angehen. Er stückelt die Vocals etwas auseinander, versetzt sie mit Hall- und Echo-Effekten, setzt zusätzliche Akzente mit luftigen Dub-Kissen, warmen Flächen und sanften, kaum vernehmbaren Perkussions. So verleiht er dem Stück ein wenig Beatdown-Charakter. Good job, my captain!

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1 Kommentar zu „The Revenge – Forever In Their Debt“

  1. Hi!
    Ich verfolge deinen Blog seit einem halben Jahr regelmäßig finde die Reviews sehr gut und auch sehr treffend. Die meisten der besprochenen Platten sind definitv nach meinem Geschmack.
    Ich wollte dich deswegen fragen, ob du mir für meine eigenen Tracks ein Feedback geben könntest, da ich diese nicht mehr objektiv beurteilen kann, ich habe sie einfach schon zu oft gehört.
    Da wir glaube ich einen ähnlichen Geschmack haben, könnte ich mir vorstellen, dass du meine Tracks so beurteilst, wie ich es tun würde, wenn ich sie zum ersten Mal hören könnte.
    Wenn du dazu Lust und Laune hättest, würde ich mich freuen, wenn du mir einfach eine Email an backto1988@yahoo.de schickst, dann lasse ich sie dir zukommen.

    Viele Grüße und weiter so mit dem Blog!

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