Gunnar Jonsson – Relationer

Zehn Minuten habe ich nichts getan. Zehn Minuten habe ich weder körperliche noch geistige Arbeit verrichtet. Auch nicht an jemanden gedacht, über etwas nachgedacht, überlegt. Ich sass ganz ruhig da, auf meinem Arbeitsstuhl, hatte die Augen geschlossen und hörte zu. Eine Acid-angehauchte, gelassen zirpende Synthline erfüllte den Raum. Sie war eingebettet in sanft anschwellende Synthesizerflächen und mit einer inneren Ruhe stapfende Bassdrums, als ob sie nicht an die Zeitlichkeit und Begrenztheit des Vinylformats gebunden war. Unendlich lange ging es so.

Der Track, der mich in eine kontemplative Versenkung versetzt hatte, hiess “Relationer“, erschien vor gar nicht allzu langer Zeit auf dem kleinen Label Just Another Beat, und wurde produziert von dem Schweden Henrik Jonsson. Damit erscheint auf der fünften EP von Just Another Beat das erste Mal ein Künstler ausserhalb der Stammelf-zwei. Wie man weiss, besteht diese aus Prostitune und Jouem, die mit ihren Platten eine Nische zwischen den discogeschwängerten Cut-Up-Skizzen eines Soundstream (vor allem auf Money Nugget) und hypnotisch pulsierenden Downbeat-Beatdown Loop-Schleifen besetzt haben.

Henrik Jonssons Basecamp war bisher das Label Kontra-Musik. Auf diesem ist mit “Mod” soeben auch sein Debüt-Album erschienen, dessen Tracks er zusammen mit Joel Alter produziert hat. Sie zeigen unterschiedliche Einflüsse, von Ambient über House zu Techno – um einmal ganz oberflächlich zu bleiben – und Jonsson und Alter haben diese zu einem feinmaschigen, teilweise filigran wirkenden Klangteppich verwoben und zugleich auf fest strukturierte, treibende Beats nicht verzichtet. Wundervoll!

Bei aller Zeit und Arbeit, die Henrik Jonsson in das Album gesteckt hat, konnte er dennoch einen Rollentausch vornehmen und nahezu zeitgeich als Gunnar Jonsson aufzutreten. “Tempelhof Zwo“, der zweite Track, erweist sich als dunkel-romantischer, atmosphärischer Track, auf dem es Jonsson phasenweise herbstlich rauschen lässt, und die Tür zu vertrippten Dubtechno-Gefilden wenigstens einen Fingerbreit aufgestossen wird. Traumhaft!

English (short) version: How long does it take to get hypnotized by music? Sometimes, you don’t need more than just another beat. Therefore, don’t miss the fifth release on Just Another Beat, which is produced by Henrik “Gunnar” Jonsson. Definitely a producer whose musical artwork is worth to be followed!

Mehr im Web:

Henrik Jonsson @ discogs.com
Jonsson / Alter – Mod – Album Preview @ Soundcloud
Kontra-Musik @ Soundcloud
Just Another Beat

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