Cuthead – Everlasting Sunday

Scherbe, Sandrow M., CV Box und Credit 00: Das sind die Produzenten, die 2013 jeweils eine EP auf dem Dresdner Label Uncanny Valley veröffentlicht haben. Jetzt ist es Robert Arnold, der unter seinem Künstlernamen Cuthead eine 12″-Vinylschallplatte ebendort rausbringt.

Mit “Everlasting Sunday”, so der Titel dieser Platte, belegt Arnold eindrücklich, dass er in seiner Künstlerpersönlichkeit zwei – vermeintlich – dichotome Zugehörigkeiten vereint. Da ist einmal Cuthead, der House-Produzent, dessen Basslinien und Drums trotz ausgearbeiteter Struktur stehts einen rohen Unterton haben – schön zu hören auf der “Brother EP“, seiner ersten Solo-EP auf Unvanny Valley. Da ist aber auch Cuthead, Mitglied der Kunst:stoff Breakz-Crew, die tief in der Kultur des Hip Hop verwurzelt ist und in Dresden und Umgebung bis 2011 Partys organisiert hat.

Cutheads tiefe Verwurzelung in einem Sample-getriebenen Sound, wo das funkige Bassfundament nicht tief genug sein kann, wo die Subkicks immer noch etwas markanter, die Snares trockener sein können, bringt er auch in die EP “Everlasting Sunday” ein. Zudem stellt sich der Dresdner der Herausforderung, einen Soundtrack für einen immerwährenden Sonntag zu schreiben.

Wenn man nicht gerade euphorisch gestimmt aus der Panoramabar heraus kommt oder die Sonne das Serotonin im Gehirn freisetzt, können Sonntage durchaus auch anstrengende Tage sein. Man liegt knatschig auf dem Sofa, der Wodkabelag auf der Wahrnehmung will sich einfach nicht auflösen, und dann rufen auch noch Eltern oder Schwiegereltern an. Man ist empfindlich und gereizt. Musik zu produzieren, die beiden Stimmungsextremen gerecht wird, ist also eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Genau da setzen “Maputo Jam”, “Nautic Walking” und “Minerals” an. Bei “Maputo Jam” sorgen ein ruhiger Basspuls in tiefer Frequenz für die Erdung, die ein aufgewühltes Herz benötigt. Gleichzeitig schieben, treiben die Drums behutsam nach vorne, während die Synthesizer und das Vocal-Sample den Raum mit Champagnerklima erfüllen. Das findet sich auch auf “Nautic Walking” wieder, einem Stück, das den Jazz atmet und den Funk lebt. Das allerdings nicht als blosses Zitat. Bassline und das Gitarrenlick sind viel zu voluminös und bauchig, der Sex dringt da viel zu offensichtlich durch die Tonfolgen, als dass dieser Track auch zu einer Hotelbar passt.

Und von wegen Champagnerklima: Um mit den ostinaten Bassfiguren Schritt halten zu können, braucht es wenigstens einen doppelten Espresso. Bleibt noch die B-Seite der Platte, auf der Cuthead seine Fähigkeiten als Hip Hop-Produzent in Szene setzt. Da finden sich schroffe, Sample-/MPC-getriebene Arbeiten genauso wie experimentelle, vom Glitch/IDM beeinflusste Skizzen.



Mehr zu Cuthead:

Facebook: Cuthead
Soundcloud: Cuthead
Trace A Line: Cuthead Podcast
Little White Earbuds: Cuthead: Interview & Podcast 

Facebook: Uncanny Valley
Soundcloud: Uncanny Valley

Nach oben scrollen