Podcast: Roman Rauch

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Disco, House, HipHop – all diese Genre finden Platz im musikalischen Universum von Roman Rauch. Der Wiener Discjockey legt am Freitag im Jazzhaus in Freiburg auf.

2015 hat Roman Rauch, Discjockey, Produzent und Labelbetreiber aus Wien, sein Debütalbum „Heliocentric“ veröffentlicht. Es ist erschienen auf dem Mainzer Plattenlabel Klamauk, unter anderem auch Heimat von Produzenten wie Christopher Rau, Johannes Albert und Paul Frick. Die sieben Tracks bieten eine kurze und präzise Zusammenfassung von Rauchs Produzentenschaffen. Sein Stil ist auf den Groove konzentriert, Musik also, die von der Hüfte an abwärts wirkt, ganz gleich, ob er seine Stücke an intrumentalem HipHop oder klassischem House ausrichtet.

Dies zeigt Rauch, der bereits auf Philpot, Quintessentials und Tenderpark veröffentlicht hat und mit Secret Crunch und Schenkelspreizer zwei eigene Plattenlabel führt, auch in seinem aktuellen Mix für Emotional Content. Am Donnerstag, 22. Dezember 2016, spielt er an der Seite von Sharokh in der Monk Bar in Karlsruhe. Tags darauf, am Freitag, 23. Dezember 2016, legt er zusammen mit Rainer Trüby beim Root Down Spezial im Jazzhaus in Freiburg auf.

Roman, seit kurzer Zeit betreibst du das Label Secret Crunch. Was hat dich dazu gebracht, das Label zu gründen?

Roman Rauch: Den Gedanken der Labelgründung hatte ich eigentlich schon seit mehreren Jahren. Ich wollte das Label aber nicht alleine betreiben und den idealen Partner zu finden war nicht so einfach. Zum Glück lernte ich vor etwa drei Jahren Moony Me kennen. Da wir einen ziemlich ähnlichen Musikgeschmack haben führte Eines zum Anderen. Letztes Jahr lernte ich dann noch Oliver Bernstein in Leipzig kennen, der damals kurz vor der Gründung seines eigenen Vertriebs stand und uns gleich anbot, Secret Crunch zu vertreiben.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Labelgründung?

Roman Rauch: Da wir bereits über ein recht gutes Netzwerk verfügen und auch schon ein paar Jahre als Discjockeys und Produzenten aktiv sind, lag die größte Herausforderung darin, ein stimmiges Gesamtpaket zu erstellen. Auch das Angebot von Oli, uns mit seiner Shite Distribution zu vertreiben, machte die Gründung natürlich um einiges einfacher.

Mit Schenkelspreizer betreibst du ein zweites Label. Wie unterscheiden sich die beiden?

Roman Rauch: Bei Schenkelspreizer dreht es sich mehr um Edits und alle möglichen Arten von Reworks. Das Label ist einfach aus einer langen nächtlichen Facetime Sitzung mit Oli entstanden. Wir waren beide schon gut angeheitert und dachten uns, wir machen aus unserer Schnapslaune eine Schnapsidee.

Schenkelspreizer ist ja ein Edit-Label. Nach welchen Kriterien gehst du bei der Auswahl von Stücken vor, die du wiederveröffentlichst?

Roman Rauch: Erst einmal muss ich natürlich den Song ziemlich gut finden. Wenn der Song dann noch zusätzlich einige Parts hat, die mir nicht so gefallen, bietet sich das ganze natürlich für einen Edit an.

Wie gehst du ans Editieren von Tracks ran? Was macht für dich einen guten Edit aus?

Roman Rauch: Bei einem normalen Edit gehe ich meist nach dem klassischen Rezept vor, die Teile, die mir nicht so gefallen, rauszunehmen und die Teile, die mir gefallen, zu wiederholen. Es kann auch sein, dass ich zusätzlich Drums oder Melodien hinzufüge, kommt halt immer auf das Ausgangsmaterial an.

Einen guten Edit macht meiner Meinung nach eine gewisse Spannung aus. Ich finde es immer schön, wenn man Leute überraschen kann, die das Original schon kennen. Auch eine gewisse Clubtauglichkeit macht einen Edit meiner Meinung nach aus.

Dem Editieren eines Stücks liegt also ein anderer Prozess zu Grunde, als wenn du an eigenen Stücken arbeitest?

Roman Rauch: Wie schon oben erwähnt wende ich beim Editieren verschiedene Methoden an. Teilweise geh ich klassisch vor und schneide den Song in Teile und arrangiere diese neu, kopiere die guten Teile und gebe die weniger brauchbaren raus . Ziemlich genau so, wie es auch früher schon mit dem Tonband gemacht wurde.

Manchmal verschwinden die Grenzen aber auch zwischen einem Edit und einer regulären Produktion. Da kann es schon mal vorkommen, dass nur noch ein paar Versatzstücke übrigbleiben und ich alles rundherum baue.

Von der Idee im Kopf bis zum fertigen Track – was sind auf diesem Weg die größten Herausforderungen?

Roman Rauch: Der eigentlich kreative Produktionsprozess bis hin zum simplen Arrangement geht meist recht schnell. Die harte Arbeit beginnt meist danach, ein interessantes Arrangement zu machen, Feinheiten zu bearbeiten und einen ordentlichen Mix zu machen. Dieser Prozess kann meist recht langwierig werden, aber gehört halt einfach auch dazu.

2015 hast du dein Debütalbum „Heliocentric“ veröffentlicht. Was für eine Bedeutung hat der Titel?

Roman Rauch: Ich habe lange wegen über einen Titel nachgedacht. Da ich zu der Zeit mal wieder eine meiner Sun-Ra beziehungsweise Jazz-Phasen hatte, habe ich mich ein bisschen von der Musik, den Titeln und dem Artwork beeinflussen lassen. Das Konzept für das Artwork sollte dies auch wiederspiegeln und wurde meiner Meinung sehr gut von Karsten von Klamauk umgesetzt.

Beim heliozentrischen Weltbild steht die Sonne im Mittelpunkt des Universums. Was ist der Mittelpunkt deines musikalischen Universums?

Roman Rauch: Im Mittelpunkt steht sicherlich meine Akai MPC. Diese war mein erste Stück Equipment und ist bis heute auch mein Liebling. Mir macht es nach all den Jahren noch immer am meisten Spaß mit der MPC, auch wenn man sich natürlich das Leben um einiges leichter machen könnte, wenn man nur „ in-the-box “ arbeiten würde.

Gab es bei dir als Produzent und Discjockey so etwas wie eine kopernikanische Wende?

Roman Rauch: Man lernt zwar immer dazu und entdeckt neue Tricks und Arbeitswesen, aber wie gerade erwähnt, ist die MPC noch immer das Herzstück meiner Produktionen.

Du lebst und arbeitest in Wien. Wie sieht denn so ein typischer Wien-Tag bei dir aus?

Roman Rauch: In den Tag starte ich mit Kaffee. Danach geht es meist hinter den Rechner, um mal die Emails und Aufgaben des Tages zu Erledigen. Dazu höre ich alte Soul Platten und dabei passiert es mir des Öfteren, dass ich etwas höre, das ich gern sampeln würde. Da muss dann die Büroarbeit schon mal kurz warten. Danach geht es meist weiter im Studio.

Du bist Produzent, DJ, hast eine Radio-Sendung. Wo und wie entspannst du?

Roman Rauch: Das kommt auf Jahreszeit an, im Winter verbringe ich tendenziell mehr Zeit im Studio und Zuhause und genieße dann die Zeit mit meiner Frau beim Kochen, mit Freunden abhängen oder in diversen Bars und Clubs. Im Sommer spielt sich das Leben meist draußen ab, allein schon dadurch, dass die Temperaturen ziemlich nach oben gehen und es im Studio meist zu heiß wird. Da bieten sich natürlich die zahlreichen Bademöglichkeiten und Erholungsgebiete in und um Wien herum an. Auch abends trifft man sich dann ganz gern und trinkt zum Beispiel Wein am Donaukanal.

Was darf man bei einem Wien-Besuch auf keinen Fall verpassen?

Roman Rauch: Natürlich gehört zu jedem Wien-Besuch ein Abstecher in einem der traditionellen Wiener Kaffeehäuser dazu. Auch für die zahlreichen Museen sollte man sich Zeit nehmen. Essen und Trinken lässt es sich ziemlich gut rund um die Märkte, sei es der Naschmarkt, Brunnenmarkt, Karmelitermarkt oder die vielen anderen.

Im Sommer empfiehlt sich auch ein Abstecher auf die Donauinsel, eine etwa 20 Kilometer lange Insel auf der Donau, die zum Radeln, Schwimmen oder Abhängen einlädt . Abends kann ich auf jeden Fall den Sass Music Club, wo ich seit nun fast zwei Jahren eine monatliche Veranstaltung namens Spritzwein Sessions mache. Der Club besticht durch seine Größe, er fasst etwa 150 Personen, seinem intimen Flair, das gut abgestimmte Soundsystem und die leckeren Drinks. Auch das Celeste kann ich wärmstens empfehlen, dass durch seine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre und seinen lowkey Charme punktet .

Davor kann man auch prima in Museumsquartier oder einer der zahlreichen Bars rund um den 6. Bezirk abhängen. Und natürlich zählt auch auf jeden Fall ein Besuch in einer der Plattenläden, wie zum Beispiel Das Market , zu den Must-Dos für alle Vinylfreunde.


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New Yorker Discokultur der Siebziger Jahre, House aus Chicago, Techno aus Detroit - drei von Bernhards liebsten Leidenschaften.

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